Neulich saß eine Frau bei mir im Coaching. Mitte 50, feinfühlig, klug, sehr reflektiert.
Sie hatte sich schon lange mit sich selbst beschäftigt, nachgedacht, analysiert, reflektiert.
Und doch sagte sie diesen Satz:
„Ich weiß nicht, wie ich auf andere wirke. Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal, wer ich selbst bin.“
Sie erzählte mir, dass sie im beruflichen Umfeld und in ihrer Familie wahrgenommen wird – vielleicht als kompetent, als verlässlich, als stark. Vielleicht auch als „die, die alles zusammenhält“.
Aber egal, wie dieses Bild von außen aussieht: In ihr selbst gab es kein klares inneres Bild.
Ihr Wunsch war sehr klar:
„Ich möchte wissen, wer ich im Kern bin. Was mich ausmacht.“
Und genau darum geht es in diesem Artikel:
Warum es selbst mit Lebenserfahrung und hoher Reflexionsfähigkeit passieren kann, dass das eigene Selbstbild fehlt – und wie systemisches Coaching helfen kann, wieder Orientierung und Klarheit zu finden.
Wenn du viel reflektierst – und dich trotzdem nicht greifen kannst
Vielleicht kennst du das auch:
Du hast dich schon oft gefragt, warum du tust, was du tust.
Du bist nicht „unbewusst“. Du bist nicht oberflächlich. Du bist nicht „ahnungslos“.
Und trotzdem bleibt da dieses diffuse Gefühl:
Ich weiß nicht genau, wer ich eigentlich bin.
Ich weiß nicht, wofür ich stehe.
Ich kann mich selbst schwer beschreiben.
Ich sehe mich oft nur durch die Augen anderer.
Ich funktioniere – aber innerlich fehlt mir etwas.
Viele Frauen in Verantwortung erleben genau das. Nicht, weil sie zu wenig nachdenken.
Sondern weil sie über Jahre und Jahrzehnte sehr viel getragen haben:
Im Beruf. In der Familie. In Beziehungen. In organisatorischer Verantwortung. Oft auch emotional.
Und irgendwann kommt der Moment, in dem etwas in dir sagt:
„Ich möchte nicht nur leisten. Ich möchte mich wieder spüren.“
Selbstbild und Fremdbild: Warum das so oft auseinandergeht
Ein Schlüssel liegt im Unterschied zwischen Selbstbild und Fremdbild.
Das Fremdbild
Das ist das, was andere in dir sehen.
Wie sie dich erleben. Wie sie dich beschreiben würden.
Und das kann sehr widersprüchlich sein:
Im Job wirkst du vielleicht klar und souverän.
In der Familie bist du die, die alles organisiert.
In Freundschaften bist du die Zuhörerin.
In Konflikten ziehst du dich zurück.
Oder du wirst plötzlich scharf, obwohl du dich selbst gar nicht so kennst.
Das Selbstbild
Das ist das, was du selbst über dich denkst und fühlst.
Und manchmal ist dieses Selbstbild erstaunlich schwach ausgeprägt – obwohl du „funktionierst“.
Nicht, weil du nicht tief bist.
Sondern weil du dich über Jahre in Rollen bewegt hast, in denen wenig Raum für dich selbst war.
Das Idealbild
Dann gibt es oft noch ein drittes Bild: das Idealbild.
Das Bild davon, wie du „sein solltest“.
Stark. Klar. Belastbar. Freundlich. Vernünftig. Kompetent.
Und bitte nicht zu viel. Nicht zu emotional. Nicht zu unbequem.
Dieses Idealbild ist häufig der unsichtbare Maßstab, an dem du dich misst – und der dich von dir selbst entfernt.
Warum Klarheit nicht durch „mehr Nachdenken“ entsteht
Viele Frauen in Verantwortung, die zu mir ins Coaching kommen, sind sehr reflektiert.
Sie können ihre Situation erklären. Sie verstehen ihre Muster. Sie sehen Zusammenhänge.
Und trotzdem sagen sie:
„Ich komme da nicht weiter.“
Das liegt oft daran, dass Selbstbild nicht nur im Kopf entsteht.
Klarheit entsteht nicht, indem du dich „noch besser analysierst“.
Klarheit entsteht, wenn du wieder in Kontakt kommst mit:
deinen Werten
deinen Grenzen
deiner inneren Wahrheit
dem, was dich lebendig macht
dem, was du nicht mehr tragen willst
Manchmal ist es weniger eine Frage von „Verstehen“ – und mehr eine Frage von Verorten:
Wo stehe ich in meinem Leben? Und was ist wirklich meins?
Systemisches Coaching: Du bist nicht nur du – du bist auch im System
Im systemischen Coaching schauen wir nicht nur auf dich als Einzelperson.
Wir betrachten dich im Zusammenhang deiner Beziehungen, Rollen und Lebensbereiche.
Denn:
Du wirst in unterschiedlichen Systemen unterschiedlich erlebt.
Das bedeutet nicht, dass du „unklar“ bist.
Es bedeutet, dass du vielschichtig bist.
Und dass dein Verhalten oft eine Antwort auf ein Umfeld ist:
Was wird in deiner Familie von dir erwartet?
Welche Rolle hast du dort übernommen – vielleicht schon sehr früh?
Welche Dynamiken gibt es im beruflichen Umfeld?
Welche Muster entstehen in Teams, in Führung, in Verantwortung?
Wo passt du dich an – und wo bist du wirklich du?
Systemisches Coaching hilft, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Nicht, um Schuld zu verteilen. Sondern um zu verstehen:
Was wirkt da eigentlich – und wie kann ich mich darin klarer positionieren?
Wenn du kein inneres Bild von dir hast: Was steckt oft dahinter?
Wenn Frauen sagen: „Ich habe kein Bild von mir“, dann steckt dahinter häufig nicht Leere – sondern Überlagerung.
Ein paar typische Gründe:
1) Du hast dich lange über Leistung definiert
Du warst „die, die es schafft“.
Und irgendwann weißt du gar nicht mehr: Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht leiste?
2) Du warst lange für andere da
Du hast dich angepasst, vermittelt, gehalten, getragen.
Und dein Blick ging automatisch nach außen.
3) Du hast gelernt, dich nicht zu viel zu zeigen
Vielleicht war es früher nicht sicher, sichtbar zu sein.
Dann wird „unauffällig funktionieren“ zur Strategie.
4) Du hast dich selbst in Rollen aufgeteilt
Im Job die Professionelle.
Zu Hause die Organisatorin.
Für andere die Starke.
Für dich selbst… bleibt wenig übrig.
Und irgendwann spürst du:
Ich möchte nicht nur Rollen erfüllen. Ich möchte wieder ich sein.
Was sich verändert, wenn du dein eigenes Bild findest
Ein klares Selbstbild bedeutet nicht, dass du dich in eine Schublade steckst.
Es bedeutet auch nicht, dass du ab morgen immer „sicher“ bist.
Ein klares Selbstbild bedeutet:
Du kannst dich innerlich besser halten.
Du musst dich weniger erklären.
Du wirst unabhängiger von Bewertungen.
Du kannst klarer entscheiden.
Du erkennst schneller: Das bin ich – und das bin ich nicht.
Du wirst stimmiger in Beziehungen und im Beruf.
Viele Frauen beschreiben es so:
„Ich fühle mich wieder wie ein Mensch – nicht nur wie eine Funktion.“
Eine kleine Übung, um Klarheit zu finden: Drei Blickwinkel auf dich
Wenn du magst, nimm dir ein paar Minuten Zeit.
Schreib die Antworten auf – nicht perfekt, sondern ehrlich.
1. Welche Rolle nimmst du oft automatisch ein?
In Familie oder Beruf – was ist „dein Platz“?
Beispiele:
die Vernünftige
die Vermittlerin
die, die alles organisiert
die, die Ruhe reinbringt
die, die Verantwortung übernimmt
die, die nicht auffallen will
Welche Rolle ist es bei dir?
2. Was davon fühlt sich stimmig an – und was kostet dich Kraft?
Manche Rollen passen zu uns.
Andere sind alte Muster.
Was würdest du gern behalten – und was nicht mehr?
3. Wenn du einen Satz finden müsstest: Wofür möchtest du stehen?
Nicht „was erwarten andere“.
Sondern: Was ist dein innerer Kompass?
Beispiele:
Klarheit und Aufrichtigkeit
Freiheit und Selbstbestimmung
Verbundenheit ohne Selbstaufgabe
Ruhe, Tiefe, Echtheit
Verantwortung – aber nicht um jeden Preis
Was ist es bei dir?
Du wirst merken:
Das ist kein „Test“.
Es ist ein erster Schritt zurück zu dir.
Wie systemisches Coaching dich dabei unterstützt
Im Coaching entsteht Klarheit nicht durch Druck, sondern durch Raum.
Wir schauen gemeinsam hin:
Welche Muster prägen dein Selbstbild?
Wo bist du in Rollen gefangen, die nicht mehr passen?
Welche Werte tragen dich wirklich?
Was möchtest du in deinem Leben stärker leben?
Wie kannst du dich klarer zeigen – ohne dich zu verbiegen?
Und oft passiert etwas sehr Wesentliches:
Du erkennst, dass du nicht „zu spät dran“ bist.
Nicht „zu unsicher“.
Nicht „nicht weit genug“.
Sondern dass du an einem Punkt bist, an dem etwas reif wird:
Du willst dich selbst nicht länger übersehen.
Fazit: Du musst dich nicht neu erfinden – du darfst dich wieder erkennen
Wenn du spürst, dass du dich selbst aus dem Blick verloren hast – obwohl du viel reflektierst und „eigentlich alles im Griff hast“ – dann ist das kein Widerspruch.
Es ist oft ein Zeichen dafür, dass dein Leben lange nach außen ausgerichtet war.
Und dass jetzt etwas in dir wieder nach innen fragt:
Wer bin ich eigentlich? Was macht mich aus? Und wie möchte ich leben?
Systemisches Coaching kann dich dabei unterstützen, dein eigenes Bild zu entwickeln – ruhig, klar und stimmig.
Nicht als Konzept.
Sondern als inneres Gefühl von Orientierung.
Kommt dir das bekannt vor?
Dann kann mein Coaching Bewegen dir helfen, dein Selbstbild zu stärken und Klarheit zu finden.
Autorin: Kathrin Kubny
www.kathrin-kubny.de
Ich bin Kathrin Kubny, systemischer Coach und begleite Frauen, die lange stark waren – und sich selbst zwischen Verantwortung, Familie und Beruf verloren haben – dabei, ihren eigenen Weg wieder klar und stimmig zu gehen, ohne sich zu verbiegen. Lass dich inspirieren oder zum Innehalten einladen. Genau da, wo du gerade stehst.
Herzliche Grüße
Kathrin

Du wünscht dir Begleitung, um wieder bei dir anzukommen?
In einem unverbindlichen Gespräch schauen wir gemeinsam,
ob eine Zusammenarbeit mit mir für dich stimmig ist.